Wer ich bin, wenn ich niemand sein muss: ein etwas anderes Selbstporträt

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Schon als Kind hat mich die Frage danach, was ich mal werden will, verwirrt. Warum sollte ich etwas werden? Ich war doch schon jemand. Ich war ich. Aus Angst davor, dass ich womöglich nach der Schule aufhörte, zu existieren, um ab dann etwas anderes zu sein, habe ich mich einfach gar nicht entschieden. 

Umso schöner ist es, mich dank der Blogparade von Silvia Kanth zum Thema: Wer bist du wirklich, wenn du niemand sein musst? mal anders vorstellen zu können. Mal den Beruf wegzulassen und mich so zu zeigen, wie ich mich selbst sehe.

Wer wir wirklich sind, ist ziemlich schwer zu sagen. Meistens ist unsere Selbstwahrnehmung eingefärbt durch die Eindrücke, die andere von uns haben und auch oft viel negativer als uns die anderen sehen. Dicke Schichten aus Glaubenssätzen liegen auf unserem Herzen und geben uns ein verzerrtes Bild von uns selbst.

Aber abgesehen davon, gibt es einfach nur Dinge, die mir Spaß machen und die mich glücklich machen. Dinge, die mir wichtig sind und die sich wie ein roter Faden durch mein Leben ziehen. Darüber möchte ich schreiben.

Die Sache mit den Ängsten

Welche Ängste hatte oder habe ich eigentlich nicht? Hier einige Beispiele:

  • Als Kind hatte ich Angst davor, dass es irgendwann keine Musik mehr gibt, weil schon alle Tonkombinationen von jemandem benutzt wurden.
  • Ich hatte Angst vor großen Städten, weil ich mir sicher war, dass ich mich verlaufen werde und nie wieder nach Hause finde.
  • Ich habe Angst davor, dass Menschen herausfinden, dass ich eigentlich gar nichts kann (Imposter-Syndrom; Hochstaplersyndrom). Aber ich arbeite dran.
  • Ich bekomme Panik, wenn ich in einer großen Menschenmenge bin.
  • Ich hatte Angst vorm Tod, bis ich mich damit anfreunden musste.

Doch ich habe etwas erkannt: Ängste können überwunden werden. Oder zumindest ignoriert. Man kann definitiv lernen, damit zu leben.

Stay afraid and do it anyway.

Carrie Fisher

Und so habe ich das Alleinreisen für mich entdeckt, habe meine Angst vorm Autofahren und vor großen Städten überwunden, habe mich selbstständig gemacht und bin in Teilzeit nach Schweden ausgewandert.

Aus all diesen Punkten spricht mein Drang nach Freiheit und Unabhängigkeit. Und der ist meistens größer als meine Ängste.

Kein Tag ohne Musik

Musik begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Erst waren es die Kassetten meiner Eltern (nicht gut), später die Platten meiner Tante (schon besser) und dann entwickelte sich natürlich mein eigener Geschmack (hauptsächlich Metal und Gothic). Mir gefällt alles, was Gänsehaut bei mir auslöst.

In allen Zeiten, in denen ich Probleme hatte – Pubertät, Midlife Crisis, Liebeskummer – hat mir Musik geholfen. Und noch heute gibt sie mir, was ich gerade brauche. Manche Texte habe ich früher nicht verstanden, aber in dem Moment, in dem ich Hilfe brauchte, konnte ich plötzlich die Botschaft darin hören.

„Sometimes you need the music and sometimes you need the lyrics.“ Hab ich mal irgendwo gelesen und für gut befunden.

Musik hat mir zahlreiche Erkenntnisse beschert, mich durch die Trauer geführt und mich wieder aufgebaut. Durch Musik habe ich viele wunderbare Menschen kennengelernt und meinen jetzigen Partner habe ich auf einem Konzert in Göteborg kennengelernt. Ein Leben ohne Musik ist für mich schier unmöglich.

Eine von vielen?

Ich bin eine von vielen, denn ich habe vier Schwestern. Als ich an einem Rosenmontag im tief verschneiten Erzgebirge mal eben auf dem Sofa geboren wurde, habe ich meinen Eltern und meiner großen Schwester einen gehörigen Schrecken eingejagt. Hellblau, die Nabelschnur fest um den Hals gezogen. Aber ich lebe noch.

Eine von vielen zu sein, ist nicht immer leicht und erst recht nicht immer angenehm. Man bekommt die abgetragenen Klamotten der Geschwister, man muss alles teilen, man muss immer Rücksicht nehmen und man wird auch leicht mal übersehen.

Aus diesem Leben wollte ich ausbrechen und habe deshalb permanent versucht, etwas Besonderes zu sein. Ich kleidete mich auffällig, machte immer alles ein bisschen anders, lehnte Mainstream ab. Aber warum schreibe ich das im Präteritum? Es ist ja immer noch so. Alles, nur nicht in der Masse untergehen.

Du musst dich doch mal entscheiden

Das musste ich mir ständig anhören. Ständig hatte ich irgendwelche Projekte am Laufen, die ich nie beendet habe und in denen selten ein roter Faden zu erkennen war. Ich startete immer mit allergrößter Begeisterung, die dann aber schnell nachließ oder ganz verschwand.

Irgendwann glaubte ich selbst, dass ich verrückt bin. Das kann einen richtig fertig machen. Warum bin ich denn so und nicht anders? Und so hielt ich mich für eine Versagerin, bis mir das Buch: „Du musst dich nicht entscheiden, wenn du tausend Träume hast“ von Barbara Sher in die Hände fiel.

Das sind dann die Momente, in denen vor Erleichterung Tränen fließen. Ich war nicht verrückt und auch keine Versagerin. Ich bin eine Scanner-Persönlichkeit oder vielbegabt oder ein buntes Zebra oder, oder. Es gibt viele Begriffe dafür.

Ich habe einfach viele Interessen und wenn ich genug über ein Thema gelernt habe, interessiert es mich nicht mehr und ich wende mich etwas Neuem zu. Und heute bin ich stolz auf meine vielen Projekte und Fähigkeiten.

Aktuell schreibe ich an einer Kindergeschichte und gestalte Bilder mit KI, was nicht nur Spaß macht, sondern auch noch spannend ist. Denn man weiß nie, was daraus wird. Wenn du neugierig bist, kannst du hier mal schauen, wie das so aussieht.

Eine meiner Schwestern näht Kinderklamotten und Taschen für die schwarze Szene und baut sich damit gerade ihre Selbständigkeit auf. Irgendwann will sie auch Kleidung für Erwachsene machen und dafür habe ich schon zig Ideen in meinem Kopf abgespeichert. Ob sie will oder nicht: Ich mache da mit.

Ansonsten bin ich gerne am Heimwerken, Malern und Basteln. Ich liebe es, Kuchen zu backen und mein eigenes Gemüse anzubauen. Am liebsten würde ich alle Sprachen der Welt sprechen, aber ich begnüge mich im Moment erstmal mit Schwedisch. Mal sehen, was noch dazu kommt.

Berge, Wald und Meer

Neben der Musik gibt mir auch die Natur immer wieder Kraft. Im Gebirge, direkt am Waldesrand, aufgewachsen, zieht es mich immer wieder dahin, wenn mir alles zu viel wird. Allein der Geruch des Waldes und das Rauschen der Bäume bringt mich runter.

Oder im Herbst, wenn der Nebel noch über den bunten Baumwipfeln hängt. Dieser Anblick macht mich glücklich.

Das trifft auch auf das Meer zu. In Schweden ist es nur eine halbe Stunde von mir entfernt. Ich liebe es, den Wellen zuzuschauen und die salzige Luft einzuatmen. Der Wind trägt meine dunklen Gedanken und Sorgen mit sich weg. Ich weiß das alles sehr zu schätzen.

War das schon alles?

Natürlich könnte ich jetzt noch mehr über mich schreiben, aber ich denke, das trifft es ganz gut. Es sind die Dinge, die mir im Leben neben meinem Job am wichtigsten sind.

Freiheit und Selbstbestimmtheit – das zieht sich als roter Faden durch mein Leben. Auch, wenn ich zwischendurch mal weit davon entfernt war, habe ich immer wieder Kurs aufgenommen. Ein bisschen Neugier noch als Antrieb zum Weiterkommen und Weiterentwickeln obendrauf. Und das Leben nicht so ernst nehmen. Keiner kommt hier lebend raus.

Was ist dein roter Faden im Leben? Und haben wir vielleicht etwas gemeinsam? Schreib es gerne in die Kommentare.

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6 Kommentare zu „Wer ich bin, wenn ich niemand sein muss: ein etwas anderes Selbstporträt“

  1. Großartig, liebe Simone! Ich liebe deine Vorstellung und habe glaube ich ein ganz gutes Bild von dir bekommen. Vielen Dank, dass du mitgemacht hast und uns dich so mutig zeigst.
    Ganz viele Grüße, Silvia

  2. Liebe Simone, Danke für deine Vorstellung. Schon der Einstieg „Als Kind hatte ich Angst davor, dass es irgendwann keine Musik mehr gibt, weil schon alle Tonkombinationen von jemandem benutzt wurden.“ hat mich beeindruckt. Ich weiß nichts von Musik und höre auch eher selten welche, aber die Frage hat mich sehr an eine Frage aus meiner Kindheit erinnert: Wie sieht die Welt denn aus, wenn alle Farben aufgebraucht sind? Schmunzeln musste ich auch darüber, dass du schon viele Ideen für die Selbstständigkeit deiner Schwester hast, auch wenn sie noch nichts davon weiß. Herzliche Grüße Sylvia

    1. Hej Sylvia,
      danke für deinen Kommentar. Das ist ja interessant mit den Farben. Da denke ich auf jeden Fall mal drüber nach.
      Hehe. Meine Schwester weiß schon, dass ich mitmachen will. Sie ist nur noch nicht so weit. Da muss ich mich wohl gedulden 😉
      Viele Grüße,
      Simone

  3. Liebe Simone (Simone ist übrigens mein 2. Vorname ;-))

    vielen Dank für Deinen sehr persönlichen Einblick. In manchen Sachen finde ich mich auch wieder. Barbara Sher hat auch mein Leben „gerettet“ und mir ein neues Selbstverständnis geschenkt. Dazu noch das Buch von Susan Cain über Introvertierte und so langsam verflog das Gefühl, nicht nur anders, sondern auch falsch zu sein. Ich kann das so gut verstehen. Ich habe nur einen Bruder, aber mein Mann 4 Geschwister und habe eine leise Ahnung davon, was es heißt „eine von vielen“ zu sein. Dabei bist Du einzigartig und ganz besonders. Das solltest Du feiern!

    Kreativ bin ich auch, nicht nur im Kopf 😉 und die Werte „Freiheit“ und „Selbstbestimmtheit“ sind auch meine. Trotz meiner hohen Anpassungsfähigkeit (die ich immer mehr abgelegt habe) bin ich im Grunde meines Herzens ein Freigeist und eine Rebellin. Nach außen war das allerdings selten sichtbar, ich war einfach inkognito unterwegs und man hat mich in Ruhe und machen lassen.

    Ich sende Dir ganz liebe Grüße aus München
    Marita

    1. Liebe Marita,
      herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Darüber freue ich mich sehr.

      Witzig, dass du auch Simone heißt. Und wir haben ja offenbar noch viel mehr gemeinsam. Freigeist und Rebellin klingt auch sehr nach mir.

      Schön, dass wir uns virtuell über den Weg gelaufen sind.

      Ganz liebe Grüße aus Schweden,
      Simone

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